Der König der Kulis
Klack-Kulis, Sondereditionen, Werbegeschenke: Heinz-Hermann hat sie alle. Über 200.000 Kugelschreiber finden in seiner Sammlung Platz. Eine Geschichte des Kulis – von Budapest bis Brockel.
Von Inga Klöber (Fotos) und Tosha Hausmann (Text)
Ungarn im Jahre 1938: Eigentlich ist die Geschichte schnell erzählt. László Bíró hat die klecksenden Füllfederhalter satt. Es soll schneller und vor allem flüssiger gehen. Ein Murmelspiel dient als Inspirationsquelle und zack – der erste Kugelschreiber steht unter Patent.
Die Erfindung des Kugelschreibers glich einer kleinen Revolution. Eine einfache kleine Kugel ersetzte nun auslaufende Tinte und verbogene Metallspitzen. 1943 verkaufte Bíró das Patent und kurz darauf nutzte auch das britische Militär die neue Technik – ein Kugelschreiber funktioniert schließlich auch in der Luft. In kürzester Zeit fand das neue Schreibgerät den Weg in unseren Alltag und ist von diesem heute nicht mehr wegzudenken.
Egal ob dicker Vierfarbkugelschreiber oder trashiger Werbegag Kuli – wir alle haben ihn: unseren Lieblingskuli. Doch wer gilt eigentlich als «der Beste»? Das Testportal der FAZ kürte im April 2025 den «Pelikan Jazz Noble Elegance» zum Testsieger. Für den Preis von zehn Euro kann man in den Genuss dieses «edel wirkenden» Kugelschreibers kommen. Als Preistipp für 2,99 Euro empfiehlt sich der Schneider Slider Rave XB. Und wer es teuer mag: Den «Graf von Faber-Castell Pen of the Year 2022 Aztec Rollerball – Limited Edition» gibt’s gerade im Angebot für 4.675,00 Euro. Allerdings limitiert auf 125 Stück. Schnell sein lohnt sich!
Auch an Einsätze jenseits der Erde wurde gedacht. Der «Fisher Astronaut Space Pen» wurde speziell für Astronaut*innen entwickelt. Die Mine ist komplett aus Metall gebaut und so robust, dass ihr weder arktische −45 °C noch tropische +120 °C etwas anhaben können. Nicht ganz bis ins All reicht der größte funktionierende Kugelschreiber der Welt. Acharya Makunuri Srinivasa sorgte im April 2011 mit einem fünfeinhalb Meter langen und 37,23 Kilogramm schweren Kuli für einen Guinness-Welt Rekord.
Doch so allgegenwärtig der Kugelschreiber auch ist, für manche wird er zum Lebenswerk.
Ich hätte mich an Weihnachten am liebsten eingeschlossen und Kulis sortiert.
Heinz-Herrmann Bendig
In der 1359 Bewohner*innen großen Gemeinde Brockel lebt Heinz-Hermann Bendig – zusammen mit 200 160 Kugelschreibern. Theoretisch könnte der leidenschaftliche Sammler allen Bewohner*innen der Stadt Potsdam einen schenken und hätte immer noch reichlich übrig.
In bunten Sammelkisten stapeln sich seine Sammlerstücke bis zur Decke. Jeder einzelne Kugelschreiber ist sorgsam nach Typ sortiert und katalogisiert. Geld gibt der Kuli-Sammler für sein Hobby aber nicht aus. Meist finden die Kulis sogar ganz organisch den Weg in seine Sammlung: Freund*innen, Bekannte oder Fremde liefern regelmäßig neue Exemplare vor Heinz-Herrmanns Tür ab. Selbst Lars Klingbeil hat bereits einen Gruß geschickt.
Und sollte doch einmal der passende Kuli fehlen, ist der Sammler gut vernetzt: Einmal im Jahr findet die Kugelschreiber-Tausch-Messe statt und natürlich ist Heinz-Herrmann auch Mitglied im «Club der Kugelschreibersammler».