© Patricia Kühfuss, 3. Mai 2018

Hinter den Kulissen der Pflege.  Patricia Kühfuss dokumentiert den Personalmangel an deutschen Krankenhäusern.

Bereits zu Beginn ihres Studiums lebte die Fotografin mit mehreren Krankenpflegerinnen zusammen. Sie inspirierten sie zum Thema ihrer Fotoserie, das durch die Corona-Pandemie aktueller denn je geworden ist. Patricia Kühfuß zeigt den beruflichen Alltag von Menschen, die sich an den Grenzen ihrer Belastbarkeit um andere kümmern.

Die Krankenpflege ist ein hochkomplexer Beruf, der technische, medizinische und menschliche Kompetenz erfordert. Es ist schwer, diese Arbeit visuell darzustellen, da Pflege die Intimsphäre der Menschen berührt und sich die Frage stellt, wo die Grenzen des Zeigbaren sind. Daher ist in den Medien der Beruf oft auf das Symbolbild einer bettenschiebenden Pflegekraft reduziert, und die Leistung der Pflegearbeit bleibt unsichtbar.

Bevor Patricia Kühfuss ihre Geschichte fotografierte, wurde sie vor dem schwierigen Zugang zu Pflegeeinrichtungen gewarnt. Aber sie ließ sich nicht von ihrer Idee abbringen:

Ausschlaggebend war, dass ich für meinen Bachelor ein Thema fotografieren wollte, das mir wirklich am Herzen liegt.

Patricia Kühfuss

Der Pflegemangel habe auch eine sexistische Ebene, so Kühfuss. Denn für die Patient*innen sei Hilfe im Alltag am Ende genauso wichtig, wie die Hilfe in lebensbedrohlichen Momenten. «Diese Dinge werden häufig als ‹care-work› abgestempelt – historisch gesehen typisch weibliche Aufgaben», erklärt die Fotografin.

Seit dem Abschluss ihres Studiums an der Hochschule Hannover arbeitet Patricia Kühfuss als freie Fotografin. Beim Lumix Festival 2020 erhielt sie für die hier gezeigte Arbeit «Nicht müde werden» den HAZ-Publikumspreis. Ihre Fotografien werden unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in GEO, National Geographic und im ZEIT Magazin veröffentlicht.

© Patricia Kühfuss, 12. Mai 2018

Peter H. bereitet einen Raum für einen Patienten vor, der von der Intensivstation zurückkommt. 80 Prozent der deutschen Krankenhäuser melden inzwischen Schwierigkeiten beim Finden von Pflegekräften.

 

© Patricia Kühfuss, 3. Mai 2018

Ein Patient wird während einer Nachtschicht gewaschen. Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Hygiene der Patient*innen in einem würdevollen Maß bleibt. Aber viele Pflegekräfte beklagen, dass sie nicht genug Zeit haben, um die Patient*innen adäquat zu betreuen.

© Patricia Kühfuss

Die Intensiv-Pflegerin Jennifer G. beurteilt die Lage eines Patienten – es ist kritisch. Weil es nicht genug Personal gibt, müssen viele Intensivpflegekräfte bereits nach einem Monat ohne Beaufsichtigung arbeiten. Früher dauerte die Ausbildung zur Intensivpflegekraft ein Jahr lang.

© Patricia Kühfuss, 1. Mai 2018

Ein Patient fühlt sich sehr unwohl. Eine Krankenschwester kümmert sich um ihn, indem sie den Schweiß von seinem Körper abwischt.

© Patricia Kühfuss, 1. Mai 2018

Thorid G., dokumentiert die Daten ihrer Patient*innen während einer Nachtschicht. Obwohl sie die letzten Nächte bereits gearbeitet hat, muss sie mal wieder für einen kranken Kollegen einspringen.

© Patricia Kühfuss, 17. Mai 2018

Eine Krankenschwester bereitet Frühstück für einen Patienten vor, der das selbst nicht kann.

© Patricia Kühfuss, 1. Mai 2018

Eine Pflegekraft versucht, einen Patienten wiederzubeleben. Pflegekräfte verbringen in der Regel am meisten Zeit mit den Patient*innen – dementsprechend hängen von ihrer Aufmerksamkeit und ihrem Können buchstäblich Leben ab.

© Patricia Kühfuss

Jana S. macht während einer Nachtschicht Pause. Der Personalmangel ist manchmal so groß, dass Kolleg*innen sogar aus dem Urlaub zurückgerufen werden müssen.

© Patricia Kühfuss, 12. Mai 2018

Eine Pflegekraft bereitet ein Beatmungsgerät für einen Patienten vor.

© Patricia Kühfuss, 3. Mai 2018

Zwei Pflegekräfte bewegen einen Patienten, um den Stand seines Dekubitus-Verbandes zu kontrollieren.

© Patricia Kühfuss, 12. Mai 2018

Eine Pflegekraft nimmt die Daten eines Patienten auf. Sie trägt dabei einen Handschuh, was ein hygienisches Risiko darstellt. Wegen Zeitdrucks können Pflegekräfte die Hygienestandards häufig nicht einhalten.

© Patricia Kühfuss, 3. Mai 2018

(v.l.) Jennifer G., Sussan M., und Jana S. diskutieren während einer Nachtschicht.

© Patricia Kühfuss, 18. Mai 2018

Hannah M. sucht nach dem richtigen Medikament. Sie macht hier ein freiwilliges soziales Jahr. Obwohl Praktikant*innen, Auszubildende und Freiwillige hauptsächlich lernen und unterstützen sollen, werden sie aufgrund des Pflegemangels häufig wie voll ausgebildete Pflegekräfte eingesetzt. Das Resultat: Viele von ihnen fühlen sich überfordert und entscheiden sich gegen einen Beruf in der Pflege. Die Situation wird dadurch noch schlimmer.

© Patricia Kühfuss, 1. Mai 2018

Eine Pflegekraft, versucht einen an Demenz erkrankten Patienten zu beruhigen. Davor hat er sie viermal gerufen. Er glaubt, er müsse das Krankenhaus verlassen.

© Patricia Kühfuss, 12. Mai 2018

Michael B. kümmert sich während einer Nachtschicht um einen Patienten. Er arbeitet seit 10 Jahren als Intensivpfleger und ist einer der erfahrensten in seiner Schicht.

© Patricia Kühfuss, 10. Mai 2018

Zwei Pflegekräfte kontrollieren spät in der Nacht gegenseitig ihre Berechnungen für die Medikation eines Patienten.

© Patricia Kühfuss, 3. Mai 2018

Krankenhäuser können nur Arbeit abrechnen, die dokumentiert wurde. Deshalb muss mehr und mehr Arbeit mit der Dokumentation verbracht werden, anstatt mit den Patient*innen.

© Patricia Kühfuss, 3. Mai 2018

Zwei Pflegekräfte bewegen einen Patienten, um wunde Stellen zu vermeiden.

In einem System, in dem jeder Handgriff mit Geld bemessen wird, bleibt außer Acht, dass gute Pflege Fachwissen und vor allem Zeit braucht.

Patricia Kühfuss
© Patricia Kühfuss, 1. Mai 2018

Eine Krankenpflegekraft bereitet während einer Nachtschicht Medikamente für Patient*innen vor.

© Patricia Kühfuss, 3. Mai 2018

Meistens ist es nur ein Baumwoll-Vorhang, der Patient*innen auf einer Intensivstation voneinander trennt. Manchmal stehen bis zu vier Betten in einem Raum. Weil 24-Stunden-Pflege essenziell ist, wird es dort nie ganz ruhig. Bei Notfällen bekommen die umliegenden Patient*innen alles mit.
Bis zu 20 Prozent von ihnen entwickeln eine posttraumatische Belastungsstörung.

Es würde die Situation drastisch verbessern, nur zwei Betten in einem Raum zu haben. Aber es wäre auch teurer.

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