Im Land der weißen Berge

Jasper Hill macht sichtbar, was ein Jahrhundert Kalibergbau hinterlassen hat. Zwischen Ernährungssicherheit und Umweltbelastung steht eine Industrie vor ihrem Wendepunkt.

Deutschlands Industrieandschaft wird seit über 100 Jahren von der Düngemittelproduktion durch Kalibergbau geprägt, die Folgen werden in Form von mehreren hundert Meter hohen Kalibergen noch mindestens genauso lange zu sehen sein.

Das für das Pflanzenwachstum unabdingbare Kalium wird in Form von Kalisalz aus bis zu 1500m Tiefe bergmännisch abgebaut. Bei der Produktion werden bis zu 70 Prozent des geförderten Salzes als Abfall zu Halden aufgeschüttet welche für die Umwelt zu einer starken Belastung werden. Ohne die Düngemittelproduktion des Kalibergbaus ist moderne Landwirtschaft wie wir sie kennen nicht mehr möglich und die Ernährung der Weltbevölkerung nicht sicherzustellen.

Mit 8 ehemaligen Bergwerken war die Region Hannover bis vor wenigen Jahren eine der wichtigsten Abbauregionen der Welt und der Kalibergbau ist noch bis heute Tief in der Region verwurzelt. Die aktuell förderbaren Kali-Vorkommen in Deutschland reichen höchstens noch für 50 Jahre. Die wohlhabenden Kaliregionen müssen daher neue Wirtschaftszweige entwickeln und gleichzeitig lernen langfristig mit den Rückständen und Folgen des Bergbaus umzugehen.

Japser Hill

Jasper Hill (*2003) arbeitet als Fotograf in Süddeutschland und Hannover. In seiner Arbeit setzt er sich mit gesellschaftlich relevanten Themen durch persönliche und nahbare Geschichten auseinander. Dabei arbeitet er sowohl an freien Projekten als auch im Auftrag verschiedener Magazine und Publikationen.

Ein elektrischer Schaufellader kippt auf 750 m u. M. das zuvor gesprengte Rohsalz auf den Vorbrecher, dem Anfang des Förderbands Untertage.

Ein Bergmann betritt den Rohsalz Großbunker Untertage. Der Bunker dient, der Zwischenlagerung des zerkleinerten Rohsalzes um einen gleichmäßigen Materialfluss für die Bandanlage und Weiterverabeitungsanlagen sicherzustellen.

Im Kali- und Bergbaumuseum Ronnenberg bei Hannover werden aus über 1000m unter dem Meeresspiegel geförderte Kalisalze ausgestellt.

Die Oberfläche der Kalihalde Siegfried/Giesen südlich von Hannover. Eine Kalihalde besteht meistens zu über 85% aus gewöhnlichem Steinsalz (Natriumchlorid), die Aufbereitung des Steinsalz ist zwar möglich, Aufgrund von Verunreinigungen allerdings nicht wirtschaftlich.

Eine Aufführung des Holzhaustheaters Zielitz im Rahmen der jährlichen «Kalimandscharo»- Festspiele, die auf einer der beiden Kalihalden des Werks stattfinden. Dank der hohen Gewerbesteuereinnahmen zählt die rund 2.000 Einwohner*innen zählende Gemeinde Zielitz zu den wohlhabendsten Orten Sachsen-Anhalts und konnte 2015 den Bau eines neuen Theaterhauses mit Kosten von etwa 2,6 Millionen Euro finanzieren.

Eine der beiden Abraumhalden des Verbundbergwerks Werra. Als größtes aktives Kalibergwerk Deutschlands umfasst das Abbaugebiet unter Tage eine Fläche, die ungefähr der Größe von München entspricht. Jährlich werden etwa 21 Millionen Tonnen Rohsalz gefördert, aus dem ca. 3,5 Millionen Tonnen Endprodukt entstehen.

In unmittelbarer Nähe der Kalihalden stehen Probenbehälter um die dortige Staubniederschlagsbelastung messen zu können.

Ein Güterzug transportiert Salzlauge aus den hessischen Abbaugebieten nach Hannover. Dort wird das ehemalige Kalibergwerk Sigmundshall mit dem Salzwasser geflutet. Die Flutung erzeugt einen Gegendruck und dient zur Stabilisierung des Bergwerks.

Die Kalihalde des stillgelegten Kaliwerks in Wunstorf bei Hannover wird künstlich bewässert. Um die Versickerung und Versalzung von Regenwasser zu minimieren werden immer mehr Kalihaden begrünt. Bürgerinitiativen in den umliegeden Dörfern kritisieren diese Maßnahmen, sie fordern oft eine vollständige Entfernung der Halden.

Der stark versalzene Boden am Fuß der Halden bietet salzliebenden Pflanzen (Halophyten), welche sonst vor allem in Küstenregionen vorkommen, auch im Binnenland gute Wachstumsbedingungen.

Das Sehnder Bergfest 2025. Auf einer mittlerweile begrünten Kalihalde in der Nähe von Hannover richtet die Stadt Sehnde seit 2004 in regelmäßigen Abständen ein Dorffest aus und ist mit über 20.000 Besucher*innen überregional bekannt.


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