Die Sache mit der Motivation. Auch wenn man seine Leidenschaft zum Beruf macht, wird einem die Motivation ab und an den Rücken kehren. Wenn die Freude zur Qual wird und wie wir uns die Lust an der Arbeit zurück erobern!

Foto: Carlotta Steinkamp

Wir alle kennen sie, die schwindende Motivation. Sei es bei einer großartigen Idee, einem Projekt oder auch nur beim bis in alle Ewigkeiten aufgeschobenen Frühjahrsputz. Irgendwann kommt der Punkt, an dem wir die Lust an dem verlieren, was wir machen. Mit einem schnellen Blick auf die Studienlage steigt die Anzahl der Menschen, die ihre Motivation verlieren. Während dreißig bis fünfzig Prozent der Studierenden in Deutschland Probleme mit der Motivation haben, beträgt diese Zahl in der Arbeitswelt rund fünfzig bis sechzig Prozent.

Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein: Stress, Burnout, Unterforderung. Dass gerade mehrere Kriege auf der Welt herrschen, der Rechtsextremismus in Europa auf dem Vormarsch ist und unsere aller Zukunft mindestens ungewiss, wenn nicht verdammt ist, lähmt in meiner Wahrnehmung auch die motiviertesten Menschen hin und wieder in ihrem Handeln.

Obwohl das jetzt wahrscheinlich total deprimierend und unmotivierend klingt, möchte ich einen Blick auf das werfen, was wir tun können, um dieses Gefühl und diesen Zustand zu überwinden. Aus diesem Grund habe ich mich auf die Suche nach Menschen in meinem Umfeld gemacht, die hin und wieder ihre Motivation verlieren. Wie gehen sie damit um, was sind ihre Methoden?

Foto: Max Schlag

Wenn Kristin die Motivation verlässt, sucht sie sich erstmal neue Reize in der Natur

Für Kristin Floruß, 24, ist Motivation etwas, das oft erst dann einsetzt, wenn ihre Abgaben in Reichweite kommen. Die angehende Innenarchitektin geht recht pragmatisch mit ihren Aufgaben um und fängt oft erst dann an, wenn sie das Gefühl hat, dass es jetzt wirklich Sinn ergibt.

Ob sie dann wirklich Motivationsverlust hat, frage ich sie. «Nie», sagt Krissi verschmitzt. Die Ironie ist nicht zu überhören. Wenn sie die Motivation verliert, dann hat Krissi über die Zeit ein paar Wege gefunden, damit kontrollierter umzugehen. Ihr erster Reflex ist erstmal, herauszugehen. Das ist dann auch gerne mit etwas Süßem kaufen verbunden. Am liebsten trifft sie ihre Freund*innen zum gemeinsamen Arbeiten, um dem Stress ein wenig zu entkommen.

Legt euer Handy beiseite, sperrt Instagram und begebt euch mal wieder ins reale Leben!

Kristin Floruß

Foto: Max Schlag

Thomas Müller Vahl nimmt erstmal Abstand von der Aufgabe

Der 25-Jährige studiert Visual Journalism and Documentary Photography in Hannover und rät dazu, bei mangelnder Motivation immer erstmal ein wenig Abstand von dem zu nehmen, was man eigentlich gerade tun müsste. Ihm hilft es, ebenso wie Krissi, in den Austausch mit anderen Menschen zu gehen.

Für ihn hat in seiner kreativen Auslegung der Faktor, wie es ihm gerade selbst geht, enormen Einfluss auf seine Arbeitsmoral. «Was ich immer merke, ist, dass es verknüpft ist, wie es einem geht. Ob der Motivationsverlust an der Arbeit selbst liegt oder ob die Gründe woanders liegen.»

Für Hermann ist das mit der Motivation abhängig von den Jahreszeiten. Seinen jetzigen Zustand würde er eher als ein hohes Maß an Fokusverlust beschreiben.

Nur herumliegen und keine Lust haben, das habe er eher im Winter, sagt der 28-jährige Masterstudent für Mathematik aus Berlin. Auf meine anfängliche Frage, wie es ihm so generell mit seiner Motivation ergeht, muss er lachen. «Was denkste?» fragt er mich mit seiner Berliner Schnauze zurück. Was ihm jedoch hilft, ist körperliche Aktivierung. Denn für ihn sind die meisten seiner Aufgaben eher geistiger Natur, weshalb es für ihn zum Beispiel eine Lösung sein kann, kurz in den Fluss zu springen, sich zu dehnen oder sich dann auch einfach mal nicht zu zwingen. Auch mal etwas geplant zu verschieben.

Foto: Max Schlag

Für mich ist es dann auch okay, in dem Moment etwas anderes zu machen, solange ich meinen eigentlichen Task später auch wirklich erledige.

Thomas Müller Vahl

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Motivation ebenso schnell gehen kann, wie sie gekommen ist. Ich trauere ihr dann meistens ein wenig nach, versuche mich an unsinnigen Aufgaben, verrenne mich in dem, was ich eigentlich tun wollte, und bin dann meist am Tiefpunkt meiner Motivation angelangt.

Manchmal finde ich es in solchen Momenten dann fast leichter, mir vorzunehmen, einfach gar nichts Produktives mehr zu tun. Das funktioniert dann meist eh nur für einen kurzen Zeitraum, aber alles, was ich danach dann noch schaffe, wirkt wie ein Bonus.

Auch wenn es sich dabei nicht um die Motivation im herkömmlichen Sinne handelt, ist Zeit als Druckfaktor auch ein wunderbarer Antrieb, Dinge zu erledigen. Was mir aber im vergangenen Jahr am meisten half, war der Austausch mit anderen Menschen. Denn so oft werden wir überwältigt von dem Gefühl, etwas nicht zu schaffen. Oft begleitet von einem Gefühl der Scham, denn die anderen scheinen das doch irgendwie auch hinzubekommen?

Hin und wieder die Motivation zu verlieren, ist völlig normal und meiner Meinung nach total in Ordnung. Manchmal ist dieses Gefühl vielleicht auch einfach ein Signal dafür, dass es Zeit ist, eine kleine Pause zu machen. Anstatt hier die einzige Lösung zu präsentieren, wie wir uns unsere Motivation zurückholen, wäre mein Rat, sich über das, was wir fühlen, auszutauschen.

Wir alle haben unterschiedliche Ansätze, damit umzugehen. Am Ende sind wir aber mit diesem Zustand nicht alleine!