Mit dem Vortrag des VGH Fotopreisträgers Julius Schien setzt der Studiengang «Visual Journalism and Documentary Photography» seine Gesprächsreihe fort, in der ehemalige und aktuelle Studierende des Studiengangs ihre Projekte vorstellen.
Das Gespräch mit Julius Schien findet im Rahmen der aktuellen Ausstellung zum VGH Fotopreis statt, in der Julius Schien sein Projekt «Rechtes Land» präsentiert, das sich mit der anhaltenden Präsenz von Rechtsextremismus in Deutschland beschäftigt.
Seit der deutschen Wiedervereinigung starben in Deutschland über 200 Personen durch rechte Gewalt. Konfrontiert mit der anhaltenden Präsenz von Rechtsextremismus in Deutschland, dokumentiert Julius Schien all diese Tatorte rechter Gewalt und legt mit «Rechtes Land» einen bisher einzigartigen visuellen Katalog dieser Tatorte an. In menschenleeren Großformatfotografien und Begleittexten werden die Geschichten von mehr als 200 Schicksalen erzählt. Dieses wachsende Archiv dient als eindringlicher Index rechtsextremer Gewalt und fordert uns auf, zu erinnern, zu reflektieren und Widerstand zu leisten.
Die Veranstaltung in der GAF ist Gelegenheit mit Julius Schien über seine Arbeit ins Gespräch zu kommen und mehr über seine Motivation und die konkrete Umsetzung sowie deren Bedingungen zu erfahren. Das Gespräch mit Julius Schien führt Karen Fromm.
Termin:
Datum: Dienstag, 08. Januar 2026, 19 Uhr
Ort: GAF Galerie für Fotografie Hannover Seilerstraße 15D 30171 Hannover
Der Eintritt ist frei.
Fotografie aus der Arbeit «Rechtes Land» von Julius Schien.
Karl Sidon, Parkwächter im Schlosspark Arnstadt, wird am 18. Januar 1993 von fünf jungen Neonazis brutal verprügelt und getötet. Die Gruppe im Alter von 11 bis 16 Jahren beschädigte zuvor im Schlosspark ein Gebäude. Als Karl Sidon das bemerkt, geht er ihnen nach und ermahnt sie. Daraufhin gehen die Jugendlichen auf Sidon los und schlagen auf ihn ein, bis er bewusstlos am Boden liegen bleibt. Im Anschluss schleifen sie ihn auf eine angrenzende, viel befahrene Straße, wo er schließlich von mehreren Autos überfahren wird. Noch am selben Abend erliegt Karl Sidon seinen Verletzungen.
Fotografie aus der Arbeit «Rechtes Land» von Julius Schien.
Alexandra Rousi wird von ihrem Nachbarn in Paderborn getötet. Sie stirbt bei einem Brand, der aus rassistischen Motiven gelegt wurde. Dem Brandanschlag gehen monatelange rassistische Drohungen und Beleidigungen voraus. Der Täter wohnt im Erdgeschoss des Zweifamilienhauses und übergießt das gemeinsame Treppenhaus mit Benzin. Als Alexandra ihn aufzuhalten versucht, zündet er, während er weiterhin ausländerfeindliche Beleidigungen von sich gibt, ein Streichholz an. Sowohl Alexandra Rousi als auch der Täter gehen in Flammen auf – Rousi stirbt noch im Treppenhaus. Auch 30 Jahre nach der Tat wird der Fall offiziell nicht als rechte Gewalttat anerkannt.
Fotografie aus der Arbeit «Rechtes Land» von Julius Schien.
Am 17. April 2018 wird das Treppenhaus eines Wohnhauses in Wiebelskirchen im Saarland aus rassistischen Motiven in Brand gesteckt. Das Gebäude, in dem mehrere syrische Geflüchtete mit ihren Kindern leben, steht schnell in Flammen. Die Feuerwehr rettet elf Menschen, einige mit schweren Rauchvergiftungen. Philipp W. wohnt im Dachgeschoss und verbrennt in seiner Wohnung. Die beiden Täter gestehen vor Gericht, die Tat aus Hass auf Ausländer begangen zu haben.