Wo Chaos plötzlich Form bekommt.
Vier Tage, wenig Schlaf, maximale Intensität: In Winterthur entwickeln Studierende beim TruePicture Hackathon Prototypen für visuellen Journalismus.
Foto: Emil Eichinger
«Ideen, Themen, Machen, Innovation, Intensität: Genau das braucht es um ein Projekt umzusetzen.» sagt Studentin Antonia Bretschkow.
Samstagnacht in Winterthur: Zwischen Notizzetteln und Mate-Flaschen arbeiten die Studierenden konzentriert an ihren Projekten. Die Vorgabe ist klar: Bis zum Sonntag muss alles so weit stehen, dass es präsentiert werden kann. «Nachts um zwei konnte man im Raum noch die Kraft der Ideen spüren», sagt Moderator Jakob Vicari später.
Der TruePicture Hackathon 2026 brachte Studierende und Lehrende von vier Hochschulen zusammen, acht Studierende kamen dabei aus Hannover. Von Donnerstagabend bis Sonntag arbeiteten sie in Teams an neuen visuellen Formaten, auf Basis bestehender Fotoarbeiten von Julius Schien, Chiara Wettmann, Aline Bovard Rudaz und Johanna-Maria Fritz. Gastgeber und Organisator war TruePicture mit Gründer Manuel Bauer und Vorstand Lukas Meier.
Der Ablauf folgte einem strengen Takt. Am Donnerstag ging es vor allem ums Ankommen: Ein gemeinsames Essen und ein Escape Room dienten als Teambuilding. Am Freitag startete der Hackathon früh mit einer Check-in-Runde. Ideen wurden gesammelt, ausgetauscht und wieder verworfen. Hilfreich war dabei ein «Museum der Ideen»: Karten und Impulse, die die Ideenfindung strukturieren und Teams zwingen, Ansätze zu schärfen, statt sich in Möglichkeiten zu verlieren.
Wer dabei war:
Beteiligt waren die Hochschule Hannover (Visual Journalism & Documentary Photography), die Hochschule Bern-Biel (Interactive Design), die Hochschule Luzern (Immersive Technologies) sowie die Zürcher Hochschule der Künste. Begleitet wurde der Prozess unter anderem von Prof. Dr. Jakob Vicari und Prof. Michael Hauri, dazu kamen Prof. Nathaly Tschanz, Prof. Lazlo Arato, sowie Rikus Hillmann von der Schule für Gestaltung Bern und Biel.
Foto: Emil Eichinger
TruePicture-Gründer Manuel Bauer zeigte der Gruppe das ehemalige Industrieareal der ZHAW in Winterthur, wo früher große Schiffsmotoren gebaut wurden.
Foto: Emil Eichinger
In der Fotostiftung führte Direktor Lars Willumeit durch die Ausstellung von Roger Humbert.
Foto: Jakob Vicari
Am Samstagvormittag konkretisierten die Gruppen ihre Konzepte und planten, was bis Sonntag realistisch ist.
Am Samstag wurde es ernst. Vormittags konkretisierten die Gruppen ihre Konzepte und planten, was bis Sonntag realistisch ist. Mittags wechselte der Blick nach außen: das Fotomuseum und Fotostiftung Winterthur standen auf dem Programm. In der Fotostiftung führte Direktor Lars Willumeit durch die Ausstellung. Danach ging es zurück in die Arbeitsräume und in den eigentlichen Sprint. Studentin Antonia Bretschkow beschreibt den Prozess ihrer Gruppe so: Am Anfang hätten sie breit gebrainstormt, später sei daraus Schritt für Schritt ein Website-Entwurf entstanden, vor allem im Ablauf. Die Arbeit wurde über den Abend hinweg ruhiger, aber nicht langsamer. «Irgendwann kam der Punkt, an dem Müdigkeit Produktivität frisst und trotzdem niemand aufhört, weil alle den Prototyp so weit wie möglich bringen wollen.»
Über sich hinauswachsen. Neue Tools lernen. Und das alles in 72 Stunden!
Prof. Dr. Jakob Vicari
Für Vicari liegt genau darin der Sinn des Formats. «Die Studierenden kommen mit einem Team zusammen, sie kennen sich nicht und müssen gleichzeitig eine Aufgabe bewältigen, die eigentlich nicht zu schaffen ist. Dabei über sich hinauswachsen. Neue Tools lernen. Und das alles in 72 Stunden!», sagt er. Im Seminar lasse sich so ein Druck kaum herstellen, ohne dass er künstlich wirkt. Ein Hackathon dagegen zwinge zu Teamwork und gemeinsamer Reflexion; man sehe, wie viel Wissen gemischte Teams an den Tisch bringen. Und ja: Es mache auch Spaß.
Bretschkow betont den Reiz des engen Rahmens. «Der Zeitraum ist abgesteckt», sagt sie, und gerade deshalb entstehe Freiheit: Weil nicht das fertige Produkt erwartet wird, sondern ein Prototyp. Aus dem Wochenende nimmt sie vor allem den Teamprozess mit, das Aufteilen, Ergänzen, Arbeiten mit unterschiedlichen Skills. Kurz beschreibt sie den Hackathon als: «Ideen, Themen, Machen, Innovation, Intensität.» Genau das brauche es um ein Projekt umzusetzen.
Foto: Michael Hauri
Sonntagvormittag entstanden Feinschliff und Präsentationen, vieles wurde erst kurz vor Abgabe wirklich «fertig».
Foto: Michael Hauri
Die Prototypen wurden Sonntagnachmittag im Kino Cameo der Öffentlichkeit präsentiert
Am Sonntag verdichtete sich alles auf die letzten Stunden. Vormittags entstanden Feinschliff und Präsentationen, vieles wurde erst kurz vor Abgabe wirklich «fertig». Dann die Vorstellung: ohne große Proben, aber mit sichtbarem Ergebnis. Prototypen eben, nicht Perfektion. Vicari nennt das «Prototypenherzklopfen» und beschreibt den Hackathon als Höhepunkt seines Semesters: ein Abenteuer, bei dem auch Lehrende am Anfang nicht wissen, was herauskommt. Und dann zu erleben, wie aus dem Chaos der Ideen etwas Gestalt annimmt, sei «einmalig».
Am Ende standen fünf Prototypen nebeneinander: eine Augmented-Reality-Galerie, eine fotografische Mini-Streamingserie, ein Passfotoautomat, der zu einer dokumentarischen Website führt, eine interaktive, physische Deutschlandkarte zu Tatorten rechter Gewalt sowie eine satirisch-ernste Webdoku im Gewand eines Uhrenshops, die Missstände in der Schweizer Uhrenindustrie der Vergangenheit sichtbar macht. Zurück bleiben Müdigkeit und Ansätze, die zeigen, wie sich visueller Journalismus weiterdenken lässt: kollaborativ, formatübergreifend, mit dem Mut, erst einmal zu bauen; Creative Technology als Methode, nicht als Ergebnis, und erst danach zu bewerten, was daraus werden kann.
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Studiendekanin der Abteilung Design und Medien
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