Grey Grounds
Über 6.000 Soldaten, zwei Übungsplätze, eine Stadt im Gleichschritt. In Munster ist die «Zeitenwende» längst Alltag. Ein fotografischer Essay über einen Ort, an dem die Bundeswehr beklatscht wird von Mats Hoff
In Munster ist die Bundeswehr keine abstrakte Institution, sie stiftet Identität. Mit mehr als 6.000 Soldat*innen und den Truppenübungsplätzen Munster-Nord und Munster-Süd ist die Kleinstadt der größte Standort des deutschen Heeres.
2022 rief Olaf Scholz die «Zeitenwende» aus. Seitdem hat sich das politische Klima in Europa und Deutschland verändert. Sicherheit wird wieder groß geschrieben. Mit einem für 2026 vorgesehenen Verteidigungsetat von mehr als 108 Mrd. Euro und der Diskussion um eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht rückt somit auch die Bundeswehr wieder stärker in den öffentlichen Fokus. Aufrüstung, neue militärische Fähigkeiten und die Vorbereitung auf mögliche bewaffnete Konflikte sind wieder Gegenstand politischer Debatten. In Munster treffen diese auf eine über Jahrzehnte gewachsene militärische Infrastruktur.
Bereits 1893 fanden in Munster die ersten militärischen Übungen statt – unter dem späteren Reichspräsidenten Hindenburg. 2026 war Munster einer von zehn Standorten für den «Tag der Bundeswehr». Hier wurde militärische Gewalt vorgeführt, kommentiert und von zehntausenden Besucher*innen beklatscht. Gefechtshandlungen wurden zum öffentlichen Spektakel und als gesellschaftlich akzeptierte Realität inszeniert.
In seinem fotografischen Essay «Grey Grounds» setzt sich Mats Hoff mit Munster auseinander, einem Ort, der wie kaum ein anderer in Deutschland von der Bundeswehr geprägt ist. Er wurde für seine Arbeit mit dem VGH-Preis 2026 ausgezeichnet.
Mats Hoff
Mats Hoff (*1995 in Kiel) lebt und arbeitet in Hamburg. Sozialisiert durch Skateboarding, nutzte er die Fotografie zunächst vor allem als Mittel der Dokumentation. Nach einer Ausbildung zum Mediengestalter Digital & Print war er mehrere Jahre in den Bereichen Produktdesign, Typografie und Art Direction tätig, bevor sich sein Schwerpunkt zunehmend auf die Fotografie verlagerte. Die Auseinandersetzung mit Gestaltung und narrativen Strukturen prägt seine Arbeitsweise bis heute.
Seit 2024 studiert er «Visual Journalism and Documentary Photography» an der Hochschule Hannover und arbeitet interdisziplinär als Dokumentar- und Porträtfotograf. Seine Arbeiten erschienen unter anderem in DIE ZEIT, fluter und Emerge Magazine und wurden auf dem Fotofestival Horizonte Zingst sowie im Rahmen des Fotosommers der Triennale der Photographie Hamburg ausgestellt. 2026 wurde er für den Leica Oskar Barnack Newcomer Award nominiert, als Teilnehmer der Plat(t)form des Fotomuseums Winterthur ausgewählt und mit dem Blank Art Foundation Photo Award ausgezeichnet.
Pförtner mit Gewehr. Jeder, der die Schießbahn des Truppenübungsplatzes Bergen betreten will, muss ihm seine Zugangsberechtigung ze
6.350 Hektar militärisches Manövergebiet. Munster-Süd gilt als einer der größten Truppenübungsplätze Deutschlands. Die Durchfahrt ist für die Zivilbevölkerung meist nur an Wochenenden möglich. Vielerorts ist das Verlassen der Straßen aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt.
Munsters Bürgermeister Ulf-Marcus Grube absolvierte selbst einen 15 Monate andauernden Wehrdienst. In seinen politischen Entscheidungen muss er sich oftmals eng mit der Bundeswehr abstimmen.
Infrastruktur und Übungsplätze der Bundeswehr lassen ein Wachstum Munsters kaum zu. Knapp 50% der Stadtfläche sind militärisches Gebiet und somit Eigentum des Bundes.
«Tag der Bundeswehr» in Munster. Besucher*innen stehen am Rande einer Militärvorführung.
Seit der sogenannten «Kreil-Entscheidung» des Europäischen Gerichsthofes und der daraus resultierenden Gesetzesänderung im Januar 2001 dürfen Frauen in allen militärischen Bereichen der Bundeswehr arbeiten. Stand Januar 2026 gibt es rund 25.000 Soldat*innen bei der Bundeswehr. Das sind ca. 13 Prozent.
Leere Munitionskisten werden zur Weiterverwendung auf dem Gelände der GEKAmbH gelagert.
Die GEKA ist das einzige Kampfmittelentsorgungsunternehmen Deutschlands. Während die Kampfmittel entschärft werden, überwacht ein weiterer Mitarbeiter die Aktivitäten in einem separaten Kontrollraum.
Gewichtheben im Gym. Die Panzertruppenschule Munsters gilt als eine der wichtigsten Ausbildungsstätten des deutschen Heeres.
Militär für groß und klein. Bei dem alljährlichen «Tag der Bundeswehr» wirbt die Bundeswehr mit «Technik zum Anfassen und Mitmachaktionen für die ganze Familie».
Schon Ende des 19. Jahrhunderts begann das preußische Kriegsministerium mit dem Kauf von Heide- und Moorflächen für militärische Zwecke. 1893 fanden hier unter dem späteren Reichspräsidenten Hindenburg erste Übungen statt.
Drei Soldaten rennen während einer Scharfschussübung in einen Kampfpanzer.
50.000 Besucher*innen beim «Tag der Bundeswehr» 2026. Vor großem Publikum führt das Militär Übungen durch.
Die «Lili Marleen Gruppe» ist das Symbol der Stadt Munster. Die Bronzeskulptur wurde 1987 durch Geldspenden von Bürger*innen, der örtlichen Wirtschaft und den Soldat*innen des Standortes finanziert. Lili Marleen ist eine Figur aus dem gleichnamigen Song von Lale Anderson, welcher im Zweiten Weltkrieg zu einem weltweiten Soldatenlied wurde. Darin geht es um das Leid eines durch den Krieg getrennten Paares.
Die Militärpfarrerin. Daniela Hennings arbeitet im evangelischen Militärpfarramt Munster I. In ihren Händen hält sie eine Flecktarnbibel.
Kriegsgräberstätte für Gefallene der beiden Weltkriege neben einem Wohnviertel in Munster.
Der Nikolausmarkt in Munster wird jährlich von diversen Vereinen aus dem Ort und der
näheren Umgebung organisiert. Einige dieser Vereine sind durch die örtliche Präsenz und enge Verbindung zur Bundeswehr entstanden.
Ein Soldat baut in einem Büro ein Sturmgewehr vom Typ G36 zusammen. Seit Dezember 2025 rüstet die Bundeswehr nach und nach auf das neue Standardgewehr G95 um. Die Kosten für Umsetzung dafür sollen sich bislang auf rund 772 Millionen Euro belaufen.
Ein von Schüssen zerlöcherter Holzsoldat auf dem Truppenübungsplatz.
Ein Mitarbeiter der Firma GEKAmbH nach dem Entschärfen von Kampfmitteln. Der Schutzanzug und die Atemmaske sollen vor möglichen chemischen Dämpfen und ätzenden Stoffen schützen.
Achtung Panzerbetrieb. Verkehrsschilder, wie dieses auf dem Truppenübungsplatz
Munster-Süd finden sich in der näheren Umgebung zuhauf.