Mats Hoff gewinnt den VGH Fotopreis 2026. Der HsH-Student wird für seinen Essay «Grey Grounds» über die von der Bundeswehr geprägte Kleinstadt Munster ausgezeichnet.

Foto: Mats Hoff/Grey Grounds

Verbrannte Erde auf dem Truppenübungsplatz Munster-Süd.

Foto: Mats Hoff/Grey Grounds

Das bundeseigene Unternehmen GEKA ist das einzige
Kampfmittelentsorgungsunternehmen in Deutschland.

Foto: Mats Hoff/Grey Grounds

Ein Soldat präsentiert in einem Kasernenbüro wie ein Sturmgewehr vom
Typ G36 zusammengebaut wird.

Mats Hoff, Student an der Hochschule Hannover (HsH), erhält den VGH Fotopreis 2026. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird seit 2008 jährlich unter den Studierenden des Studiengangs «Visual Journalism and Documentary Photography» der HsH vergeben und zählt zu den höchstdotierten Nachwuchspreisen für Fotografie in Deutschland.

Hoffs fotografischer Essay «Grey Grounds» ist eine persönliche Auseinandersetzung mit der Kleinstadt Munster im niedersächsischen Heidekreis. Mit mehr als 6.000 Soldat*innen und zwei Truppenübungsplätzen ist Munster der größte Standort des deutschen Heeres. Kaum ein anderer Ort in Deutschland ist so stark von der Bundeswehr geprägt: Sie ist hier identitätsstiftend und größter Arbeitgeber der Stadt.

Zugleich treffen in Munster ‹Zeitenwende›, Aufrüstung und die Debatte um die Wehrpflicht auf eine über Jahrzehnte gewachsene militärische Infrastruktur. Mats Hoff gelingt es, dieses aktuelle Thema im Spannungsfeld von Alltäglichkeit und Aufrüstung, Verteidigungspolitik und Militarisierung sichtbar zu machen. Seine präzise Bildsprache richtet den Blick gerade auf die leisen, manchmal überraschenden Zwischentöne.


Angefangen hat für mich alles mit dem Autobahnschild ‹Deutsches Panzermuseum›.

Mats Hoff

«In einer Zeit, in der viel über die ‹Zeitenwende› gesprochen wird, nimmt sich Mats Hoff Zeit, genau hinzuschauen und eine Nahaufnahme der Bundeswehr zu erarbeiten. Am Standort Munster dokumentiert er Übungen, porträtiert Personen in ihren Funktionen und zeigt, wie die Nutzung durch die Bundeswehr auch die Landschaft in Niedersachsen verändert. Dieser Ansatz hat die Jury überzeugt», sagt Jurymitglied Hannah Schuh, Visual Director ART – Das Kunstmagazin.

«Angefangen hat für mich alles mit dem Autobahnschild ‹Deutsches Panzermuseum›. Irgendwann habe ich mich gefragt, was für ein Ort dahintersteckt – und das zu einer Zeit, in der über Aufrüstung, die Bundeswehr und die Rückkehr der Wehrpflicht diskutiert wurde. So entstand der Wunsch, mich fotografisch damit auseinanderzusetzen», so der Preisträger Mats Hoff zu seiner Projektidee.

Foto: Salome Ziermann

VGH Fotopreis 2026 Jurysitzung

Der Fachjury gehörten in diesem Jahr an: Henner Flohr, Leiter der F.A.Z.-Bildredaktion; Lara Huck, Bildredaktion DIE ZEIT; Nicole Neumann, Bildredaktion DER SPIEGEL; Guido Schmidtke, Senior Photo Editor STERN; Hannah Schuh, Visual Director ART – Das Kunstmagazin; Katharina Täschner, Kuratorin C/O Berlin, und eine Vertreterin der VGH Versicherungen.

Mats Hoff (*1995 in Kiel) lebt und arbeitet in Hamburg. Sozialisiert durch Skateboarding, nutzte er die Fotografie zunächst vor allem als Mittel der Dokumentation. Nach einer Ausbildung zum Mediengestalter Digital & Print war er mehrere Jahre in den Bereichen Produktdesign, Typografie und Art Direction tätig, bevor sich sein Schwerpunkt zunehmend auf die Fotografie verlagerte. Die Auseinandersetzung mit Gestaltung und narrativen Strukturen prägt seine Arbeitsweise bis heute.

Seit 2024 studiert er «Visual Journalism and Documentary Photography» an der Hochschule Hannover und arbeitet interdisziplinär als Dokumentar- und Porträtfotograf. Seine Arbeiten erschienen unter anderem in DIE ZEIT, fluter und Emerge Magazine und wurden auf dem Fotofestival Horizonte Zingst sowie im Rahmen des Fotosommers der Triennale der Photographie Hamburg ausgestellt. 2026 wurde er für den Leica Oskar Barnack Newcomer Award nominiert, als Teilnehmer der Plat(t)form des Fotomuseums Winterthur ausgewählt und mit dem Blank Art Foundation Photo Award ausgezeichnet.

Foto: Fabian Schwarze

VGH Förderpreis geht an Jonathan Funk

Seit 2025 wird parallel zum VGH Fotopreis der mit 2.000 Euro dotierte VGH Förderpreis vergeben. Er unterstützt die Fortsetzung eines fotografischen Projekts finanziell und durch ein begleitendes Mentoring. Preisträger 2026 ist Jonathan Funk, der die Jury mit seinem laufenden Projekt «Ji Reh û Ewran – Von Wurzeln und Wolken» überzeugte. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Zukunft der Region Rojava im Nordosten Syriens nach dem Machtwechsel im Land.

Foto: Jonathan Funk/Ji Reh û Ewran – Von Wurzeln und Wolken

Im Binnenvertriebenenlager Washokani westlich von Hasakeh tragen Familien eine frisch eingetroffene Trinkwasserlieferung zu ihren Zelten.

Foto: Jonathan Funk/Ji Reh û Ewran – Von Wurzeln und Wolken

Eine Statue an einer Straßenkreuzung in Kobane erinnert an die kurdische Kämpferin Arin Mirkan, die sich 2014 im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) mit Sprengstoff tötete.

Foto: Jonathan Funk/Ji Reh û Ewran – Von Wurzeln und Wolken

«Ab dem Strommast wird geschossen», erzählt Ahmed in seinem Gemüsegarten an der türkisch-syrischen Grenze. Nur wenige Meter vom Grenzstreifen entfernt berichtet er von wiederholten tödlichen Schüssen türkischer Grenzsoldaten auf kurdische Zivilisten.

Jonathan Funk lebt und arbeitet in Hannover. Seit 2023 studiert er «Visual Journalism and Documentary Photography» an der Hochschule Hannover und arbeitet vorrangig an dokumentarischen Langzeitprojekten. Geprägt durch seine Herkunft aus einer Arbeiterfamilie und seine Berufserfahrung in der Sozialen Arbeit untersucht er in seiner Fotografie politische und gesellschaftliche Veränderungen und deren Auswirkungen auf Individuen und Gemeinschaften.

Sein Projekt «Ortskontrollfahrt» über den Rechtsruck in Deutschland wurde international ausgestellt und in SPIEGEL Wissen veröffentlicht; sein aktuelles, mit dem VGH Förderpreis ausgezeichnetes Projekt «Ji Reh û Ewran – Von Wurzeln und Wolken» beschäftigt sich mit der Zukunft Nordostsyriens nach dem Machtwechsel. Funk stand 2026 auf der Shortlist des World Report Award (Student Category), wurde für den LOBA Newcomer Award nominiert und ist Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung.

Foto: Rafael Heygster

Große Bandbreite der Einreichungen

Die hohe Qualität und die Vielfalt der studentischen Arbeiten überzeugten die Jury. Die 37 für den 19. VGH Fotopreis eingereichten Projekte nehmen sowohl deutsche als auch internationale Themen in den Blick. Die Fotograf*innen reisten dafür unter anderem nach Afghanistan, Syrien, Mexiko, Bolivien, Chile, in die USA und in die Westsahara. Eine lobende Erwähnung als Finalist*innen des Juryprozesses erhielten Henryc Fels, Jana Junker, Eyad Abou Kasem und Jana Margarete Schuler.

«Wir danken den VGH Versicherungen für die langfristige, nachhaltige und vertrauensvolle Zusammenarbeit und freuen uns sehr, dass wir mit beiden Preisen vielversprechende Nachwuchsfotografie unterstützen können», sagt Prof. Dr. Karen Fromm, Professorin im Studiengang «Visual Journalism and Documentary Photography».

Über den VGH Fotopreis und den Studiengang

Mit dem VGH Fotopreis fördern die VGH Versicherungen seit 2008 den Studiengang «Visual Journalism and Documentary Photography» der Hochschule Hannover. Der Studiengang hat als einziger in Deutschland einen Schwerpunkt auf visuellem Journalismus und Dokumentarfotografie. Ausgehend von den Medien Fotografie und Video vermittelt er multidisziplinäre visuelle Kompetenzen; im Fokus stehen journalistische und dokumentarische Erzählweisen.

Auf einen Blick

Preisträger VGH Fotopreis 2026:
Mats Hoff «Grey Grounds»


Preisträger VGH Förderpreis 2026:
Jonathan Funk «Ji Reh û Ewran – Von Wurzeln und Wolken»


Finalist*innen:
Henryc Fels «Blindgänger»
Jana Junker «I’m fine, thanks»
Eyad Abou Kasem «Der Lange Weg Nach Hause»
Jana Margarete Schuler «Zwischen Blut und Glitzer»


Termine:
Preisverleihung und Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 2. Dezember 2026, 19 Uhr
Ausstellung: 3. Dezember 2026 bis 10. Januar 2027


Ort:
GAF – Galerie für Fotografie
Eisfabrik, Seilerstraße 15d
30171 Hannover
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag, 12 bis 18 Uhr


Weitere Informationen: 
https://www.vgh.de/de/unternehmen/newsroom/vgh-fotopreis



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