Pille-Palle.
Immer weniger junge Frauen lassen sich die Pille als Verhütungsmittel verschreiben. Hannah, Julia und Lilly sprechen in ihrem Podcast über ihre eigenen Erfahrungen, räumen mit verbreiteten Mythen auf und erklären, wann die Pille tatsächlich zum Gesundheitsrisiko wird.
Illustration: KI-generiert mit ChatGPT Images 2.5 (OpenAI).
Vor gut zehn Jahren ließen sich noch 43 Prozent aller gesetzlich versicherten Frauen unter 22 die Pille verschreiben. 2024 hatte sich diese Zahl beinahe halbiert: Nur noch 22 Prozent nahmen laut einer Auswertung der AOK die Pille. Auch in den sozialen Medien berichten immer mehr junge Frauen davon, dass sie die Pille absetzen. Julia nimmt die Pille schon seit ihrem 15. oder 16. Lebensjahr – ohne sich anfangs wirklich darüber Gedanken zu machen.
Ich finde es heute schon ziemlich beängstigend, dass ich meinen Körper, mich, irgendwie gar nicht ohne die Pille kenne.
Dabei ist die Liste der auf dem Beipackzettel beschriebenen Nebenwirkungen lang. Neben Migräne, Bauchschmerzen und Akne kann die Pille auch die Anfälligkeit für Depressionen, Asthma oder Thrombose erhöhen. Vor der Einnahme sollten bestimmte Risikofaktoren beachtet und mit Fachärzt*innen besprochen werden. Solch ein Risiko kann beispielsweise bei Frauen mit Thrombosefällen in der Familie bestehen. Aus diesen Blutgerinnseln können sich Lungenembolien entwickeln, die im schlimmsten Fall tödlich enden können. Bestimmte Pillen dürfen diesen Patientinnen nicht verschrieben werden.
Neben den tatsächlichen Nebenwirkungen des Medikaments kursieren online aber auch immer wieder Mythen und Behauptungen, wie zum Beispiel, dass die Pille Frauen unfruchtbar mache. Das ist eine Falschbehauptung, wie Professorin Dr. Cordula Schippert von der Medizinischen Hochschule Hannover bestätigt. Sie spricht zudem von einer «Hormonphobie» und meint damit die Vielzahl an Fehlinformationen in den sozialen Medien, die viele junge Menschen völlig wahnsinnig machen würden. «Ein anderer Mythos ist, dass man Gebärmutterhalskrebs von der Pille kriegt. Das stimmt nicht.» Eine gewisse Skepsis ist aber durchaus sinnvoll, findet Schippert. «Wenn man jungen Frauen ein Medikament verschreibt – und die Pille ist ein Medikament – muss man über alle potenziellen Nebenwirkungen aufklären.» Deshalb sollten sich Ärzt*innen verstärkt in der Verantwortung sehen, auf Fehlinformationen zu reagieren und bessere Aufklärung zu betreiben.
Geht zu eurer Frauenärztin, fragt die. Vertraut nicht auf das was Dr. Google euch sagt. Fragt die, die das Ganze studiert haben.
Dazu gehört auch, auf alternative Verhütungsmethoden hinzuweisen. Die beliebteste Alternative zur Pille ist das Kondom. Die Tendenz zeige generell, dass immer mehr Frauen hormonfrei verhüten möchten, so Dr. Matthias Schütte von der Frauenarztpraxis GynCollegWeserland. Hormonfreie Möglichkeiten sind etwa die Kupferspirale, die Kupferkette und der Kupferball. Zur Wahl stehen aber auch hormonelle Verhütungsmethoden wie die Hormonspirale und das Hormonstäbchen. Letzteres zählt zu den sichersten Verhütungsmethoden.
Wer die Pille absetzen möchte, sollte laut Schütte darauf achten, den aktuellen Blister zu Ende zu nehmen und nicht mittendrin aufzuhören. «Sonst hat man – wenn man Pech hat – alles durcheinander». Trotzdem kann es bis zu sechs Monaten dauern, bis sich zum Beispiel die Periode wieder normal einpendelt. Auch das Hautbild kann sich zunächst verschlechtern, aber auch verbessern. Das hängt damit zusammen, dass die Pille in jedem Körper anders wirkt und aus unterschiedlichen Gründen genommen wird. Viele Frauen nehmen sie, um einen geregelteren Zyklus herbeizuführen oder die Regelschmerzen zu verringern und sich so den Alltag zu erleichtern. Der wird durch die Periode oft beeinträchtigt, finden Hannah, Julia und Lilly. «Der natürliche weibliche Zyklus, der passt so, wie er ist, eigentlich nicht in dieses geregelte System, wo permanent Leistung von einem erwartet wird.»