Wie du eine Fotoserie erstellst – Ideen, Themen und Beispiele.

Eine gut gemachte Fotoserie kann kraftvoll und emotional bewegend sein. In diesem Beitrag findest du wertvolle Tipps von Fotografie-Professor*innen.

Fotoserie von Andy Happel mit Jugendlichen in China in rötlichem Licht. Fotos: Andy Happel

Du suchst nach Ideen für eine Fotostory? Jedes Foto wirkt immer stärker, wenn es in ein größeres Projekt eingebettet ist. Deshalb ergibt es Sinn, fotografisch nicht nur in Einzelbildern zu denken. Du kannst stattdessen auch an einer ganzen Fotoserie arbeiten: Mit einer fesselnden Fotoserie kannst du Menschen berühren. Sie kann kraftvoll und emotional bewegend sein. Außerdem kann sie eine ganze Geschichte durch eine visuelle Sequenz erzählen und dabei komplizierte Themen verständlich machen. Spannende Fotoserien findest du in den unterschiedlichen Bereichen – in Zeitungen und Magazinen, aber auch in der PR und sogar in der Wissenschaft.


Wenn du an einem Fotoprojekt arbeiten möchtest, erfordert das sorgfältige Planung, Kreativität und eine solide Ausführung. In diesem Artikel geben dir Professor*innen des Studiengangs Visual Journalism and Documentary Photography kreative Ratschläge für eine sinnvolle Herangehensweise. Egal, ob du eine Serie für den Kunstunterricht fotografieren musst, gerade an deiner Bewerbungsmappe arbeitest oder für die Schülerzeitung recherchierst: In diesem Beitrag findest du wertvolle Tipps und Tricks für deine Fotostory!

Inhalt

1. Die Themenfindung. Was macht eigentlich eine gute Story aus? Tipps zur Vorrecherche und die Suche nach Fotoideen.

2. Das Fotografieren. Mit der Kamera vor Ort – und jetzt? Der Umgang mit Licht und Schatten, Farbe und wie du den Tunnelblick vermeidest.

3. Bildauswahl und Bildbearbeitung. Wohin mit all den Fotos? Empfehlungen für das Editieren und Bearbeiten deiner Fotoserie.

4. Fazit: Die Umsetzung von der Idee bis zum fertigen Fotoprojekt – hier findest du alle Schritte noch einmal zusammengefasst.

1. Die Themenfindung für eine Fotoserie

Du solltest zunächst Ideen sammeln. Vielleicht findest du ein Thema, das dich persönlich anspricht oder das einen interessanten Blickwinkel bietet. Es ist nützlich, zu recherchieren, was andere Fotograf*innen in der Vergangenheit gemacht haben; schau dir Fotobücher oder erfolgreiche Foto-Websites an und studiere, wie die Bilder komponiert wurden. Aber es ist auch eine gute Idee, nicht nur auf die Fotografie zu schauen: Kunst, Musik, Film und Literatur können ebenfalls eine gute Inspiration für deine Fotoserie sein. Professor Michael Hauri erinnert sich: «Ich bin während meines Studiums immer in ein Antiquariat gegangen und habe mir alte Zeitschriften und Magazine angeschaut.» Du kannst dabei nach alten Ausgaben von fotografielastigen Medien wie beispielsweise National Geographic, mare oder Life suchen. Sie sind häufig ein guter Ausgangspunkt.

Vertiefung: Was ist der Unterschied zwischen Fotoserie, Fotoessay und Fotoreportage?

Der Begriff «Fotoserie» wird häufig als Synonym für «Fotostrecke» verwendet, so auch in diesem Beitrag. Als Fotoserie im engeren Sinne versteht man eine Reihe von Bildern, die ähnlich aufgebaut sind (zum Beispiel im Hinblick auf die Perspektive, die Distanz, das Licht, die Farben). Weitere fotografische Erzählformen sind der Fotoessay und die Fotoreportage. Der Unterschied besteht darin, dass es bei diesen beiden Formen stärker um einen Rhythmus- und Distanzwechsel geht. Eine Reportage hat einen Anfang und ein Ende (ein Beispiel ist die Fotoreportage von Shirin Abedi auf dieser Seite). Beim Fotoessay hingegen erzählt häufig jedes Foto seine eigene Geschichte, passend zu einem übergeordneten Thema (als Beispiel findest du auf dieser Seite den Fotoessay von Nanna Heitmann).

Auch die Fotostorys der Studierenden des Studiengangs Visual Journalism and Documentary Photography sind ein idealer Ausgangspunkt. Die Studierenden haben zahlreiche preisgekrönte Fotoprojekte erstellt, die einzigartige Momente, Kulturen und Geschichten durch visuelles Storytelling einfangen. Die Projekte wurden unter anderem mit dem World Press Photo Award und dem Leica Oskar Barnack Award ausgezeichnet. Professor Christoph Bangert, der früher als Fotograf für die New York Times auf der ganzen Welt unterwegs war, gibt den Tipp: «Es ist wichtig, ein Thema zu finden, das nicht nur dich selbst interessiert. Themen benötigen eine gewisse gesellschaftliche oder soziale Relevanz.» Wenn du eine Idee hast, kannst du beispielsweise mit deinem Freundeskreis darüber diskutieren. Vielleicht gibt es einen bestimmten Aspekt, der besonders spannend ist?

Häufig ist es aber trotzdem schwierig, ein Thema für ein Fotoprojekt zu finden, das sich auch relevant anfühlt. Dr. Karen Fromm, Professorin und Kunstwissenschaftlerin, denkt dazu: «Um herauszufinden, ob ein Thema gesellschaftliche Relevanz hat, gibt es sicherlich nicht das eine ideale Bewertungsverfahren. Die Relevanz eines Themas kann sich auch je nach Kontext und Zeit verändern. Der Journalismus hat eigene Entscheidungsroutinen zur Bestimmung von Relevanz, die oft auch als Nachrichtenwert bezeichnet wird, entwickelt.» Prof. Karen Fromm hat deshalb eine Checkliste mit Fragen entworfen, die du dir bei der Ideen-Findung für deine Fotoserie selbst stellen kannst.

Checkliste: Relevanz einer Fotoserie

1. Hat dein Thema Bedeutung für die Öffentlichkeit? Für eine bestimmte Zielgruppe? Für eine größere Gruppe von Menschen?

2. Haben die Ereignisse oder das Thema, über das du erzählen möchtest, größere Auswirkungen, z. B. auf eine Region, viele Menschen etc.?

3. Hat das Thema einen aktuellen Bezug? Hat es einen Neuigkeitsbezug?

4. Erzeugt das Thema Aufmerksamkeit für einen Missstand?

5. Bietet das Thema Orientierungswissen? Klärt es über einen Zusammenhang auf? Vermittelt es Hintergründe?

Weiter empfiehlt Prof. Karen Fromm, dir für deine Themen-Idee immer die klassischen W-Fragen zu stellen: Wer? Was? Wann? Wo? Warum? Wie? Wozu? Grundsätzlich gilt für sie aber immer, dass du dich bei der Idee für deine Fotoserie an erfahr- und überprüfbaren Fakten und Daten orientieren solltest. Lass dich von den Kriterien Genauigkeit, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit leiten! Ein anschauliches Beispiel für eine Fotostory mit gesellschaftlicher Relevanz ist die Arbeit «May I have this dance?» von Shirin Abedi. Sie begleitete dafür Ballett-Tänzerinnen im Iran. Das Projekt ist wichtig, weil es dabei nicht nur um Ballett geht. Shirins Fotoserie erzählt von der Situation junger Frauen, die sich in einem frauenverachtenden System entfalten wollen.

Die Arbeit «May I have this dance?» von Shirin Abedi

Es ist wichtig, ein Thema zu finden, dass nicht nur dich selbst interessiert. Themen benötigen eine gewisse gesellschaftliche oder soziale Relevanz.

Prof. Christoph Bangert

Natürlich sind solche Recherche-Reisen im Ausland aufwendig und erfordern viel Erfahrung. Deshalb ist es ratsam, wenn du für deine Fotoserie ein Thema bei dir vor Ort suchst. Am besten musst du dich dabei gar nicht weit von deinem Zuhause entfernen. Christoph Bangert rät: «Es ist immer besser, vom Großen ins Kleine zu gehen. Such dir am besten erst mal nur eine*n Protagonist*in.» Nora Börding begleitete beispielsweise für die Leipziger Volkszeitung den ehemaligen Förster Gerd Klamer. Er wanderte 6000 Kilometer durch Deutschland, um auf die missliche Situation der heimischen Wälder aufmerksam zu machen. Nora Börding erzählt mit dieser Fotoserie im kleinen Rahmen eine eindrucksvolle Geschichte über den Kampf für Naturschutz.

Aber auch ein besonderer Ort kann ein interessantes Thema sein. Die ehemalige Studentin Helena Lea Manhartsberger berichtet in ihrer Arbeit «Fight Club» von einem Wiener Boxverein. Dieser fungiert als interkulturelle Begegnungsstätte zwischen verfeindeten Menschen aus Afghanistan und Tschetschenien. Auch diese Fotoserie visualisiert ein größeres Thema in einem einfachen Rahmen. Häufig ist die größte Herausforderung aber, nicht nur ein Thema, sondern auch eine*n Protagonist*in zu finden. Christoph Bangert erzählt aus eigener Erfahrung: «Da hilft es immer, einen großen Bekanntenkreis zu haben. Es gibt immer den Freund, einer Freundin, der einem weiterhelfen kann.» Ansonsten findet Christoph Bangert es wichtig, den Menschen ehrlich zu erklären, was man vorhat. «Nimm deine Verantwortung ernst,» rät er. Und: «Sei nett. Das ist das Wichtigste.»

Nora Börding begleitete für die Leipziger Volkszeitung den ehemaligen Förster Gerd Klamer.
Die Arbeit «Fight Club» von Helena Lea Manhartsberger

2. Das Fotografieren einer Fotoserie

Der wichtige Teil beim Erstellen einer Fotoserie ist natürlich das Fotografieren. Dabei geht es für Prof. Karen Fromm einerseits darum, dass du eine passende bildsprachliche Klammer für ein Thema entwickelst. Für sie heißt das: «Es geht nicht nur darum, dass du eine visuelle Handschrift entwickelst, mit der man dich wiedererkennt.» Für sie ist es vielmehr essenziell, dass die Stilmittel zum jeweiligen Thema passen. Karen Fromm betont: «Die Bildsprache wird Teil der Bedeutung deiner Arbeit.»

Erfahrungsgemäß ist der Umgang mit der eigenen Fototechnik vor Ort meist schwieriger, als du es vielleicht erwartest. Es kann in der Praxis schnell passieren, dass du in der Aufregung falsche Settings an deinem Fotoapparat einstellst. Wenn du Pech hast, verwendest du am Ende zum Beispiel eine falsche Belichtung oder kannst nicht fokussieren. Für Professor Michael Trippel, der früher fester Fotograf beim Stern war, steht deshalb fest: «Es ist ganz wichtig, dass du deine Kamera blind beherrschst. Du musst selbst im Dunkeln wissen, wie du am Einstellrädchen auf Blende 4 umstellst.»

Ähnlich sinnvoll ist es für Professor Trippel, schon vorher vor Ort zu sein und sich etwas umzuschauen. Er erzählt: «Ich schaue immer auf das Licht. Ist draußen Auflicht oder Gegenlicht, das ich irgendwie einsetzen kann? Oder gibt es nur gedecktes Licht?» Denn Licht ist beim Fotografieren essenziell. Du kannst damit bestimmte Aspekte jedes Bildes hervorheben. Dadurch hilfst du dem Betrachter, sich auf das Wesentliche konzentrieren. Ein Beispiel: Agata Szymanska-Medina dokumentierte eine Gruppe von Köhlern, die in den polnischen Karpaten auf altmodische Weise Holzkohle herstellen. Durch den gekonnten Einsatz von Licht bekommt ihr Bild von den Kohle-Öfen eine besondere Dramatik.

Fotografie aus der Serie «Lost Paradise» von Agata Szymanska-Medina.

Die Bildsprache wird Teil der Bedeutung deiner Arbeit.

Prof. Dr. Karen Fromm

Licht sieht häufig dann am besten aus, wenn es nicht direkt von oben kommt. Gerade Gesichter sehen interessanter aus, wenn sie von der Seite beleuchtet werden. Eine der besten Lichtquellen sind deshalb Fenster. Durch sie hast du auch tagsüber häufig ein weiches Licht von der Seite. Das sorgt besonders bei Porträts für eine gute Beleuchtung. Deckenlicht hingegen sieht häufig deutlich unschöner und langweiliger aus. Gerade wenn du deine Protagonist*innen zuhause besuchst, kannst du deshalb gut mit Fensterlicht arbeiten.

Ein tolles Beispiel ist ein Porträt aus François Kleins Serie «Isaya’s Dream». Das Bild ist gekennzeichnet von einem weichen, sanften Licht von der Seite. Für Michael Trippel ist es aus journalistischer Sicht vollkommen in Ordnung, im Zweifelsfall auch die Deckenlampe in Innenräumen auszuschalten. Er erinnert sich: «Ich habe möglichst immer mit available Light und ohne Blitz fotografiert – solange das Bild noch scharf wurde. Das geht so bis zu einer Belichtungszeit von 1/30 Sekunde aus der Hand.»

Auch durch die Auswahl der Tageszeit kannst du die Lichtstimmung deiner Bilder beeinflussen. So fotografierte der Student Jonas Kako etwa eine Arbeit über das Austrocknen des Colorado-Rivers. Dafür reiste er häufig durch Wüstengebiete in den USA. Das Licht ist dort tagsüber übermäßig hell und hart – zum Fotografieren ist das in der Regel ziemlich unvorteilhaft. Jonas Kako entschloss sich deshalb, hauptsächlich morgens und abends zu fotografieren. Durch den tieferen Stand der Sonne kommt das Licht dann aus einem flacheren Winkel und hat eine warme Farbtemperatur. Das sorgt für eine stimmungsvolle Beleuchtung. Die beiden Fotografen Volker Crone und Rafael Heygster reisten gemeinsam für das Magazin DER SPIEGEL im Sommer 2021 durch Deutschland. Dabei dokumentierten sie die Stimmung vor der Bundestagswahl. Ihre Bilder muten durch den Einsatz von Blitzlicht an wie Szenen aus einem Theaterstück.

Fotografie aus der Serie «Isaya's Dream» von François X. Klein.

Es ist essenziell, dass du deine Kamera blind beherrschst.

Prof. Michael Trippel

Ein weiterer wichtiger Faktor beim Aufbau einer Fotoserie ist die Perspektive. Dabei geht es darum, wo du bei der Aufnahme der einzelnen Bilder stehst und welche Winkel du für die Aufnahmen wählst. Indem du mit verschiedenen Perspektiven innerhalb einer Serie spielst, kannst du für Abwechslung sorgen: Versuche, nicht immer nur alles auf Augenhöhe zu fotografieren. Vielleicht gibt es eine andere Perspektive, die spannender ist? Durch den Wechsel hältst du den Betrachter bei der Stange, und kannst gleichzeitig verschiedene Aspekte deiner Arbeit hervorheben. Der Fotograf Daniel Chatard verwendete bei seiner Arbeit über Kohle-Abbau in Nordrhein-Westfalen teilweise extreme Panorama-Aufnahmen. Dadurch werden die Dimensionen der Braunkohle-Bagger deutlich. Die Betroffenen und ihr jeweiliges Zuhause zeigt er näher. Es entsteht ein interessanter Kontrast.

Für Professor Michael Trippel ist es aber auch wichtig, es mit dem Suchen nach interessanten Perspektiven nicht zu übertreiben: «Manchmal habe ich gemerkt, dass ich gerade ständig in die Knie gehe oder irgendwo hinauf klettere. Dann war für mich eigentlich immer klar, dass ich gerade lost bin.» In solchen Situationen rät er, eine Pause zu machen und durchzuatmen, um aus dem Tunnel zu kommen. Du kannst beispielsweise darauf achten, was du aktuell hörst oder riechst. Das alles kann dir helfen, dich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren. Schließlich solltest du beim Erstellen einer Fotoserie auch die Farbpalette nicht außer Acht lassen: Einheitliche Farbtöne in allen Bildern tragen dazu bei, sie besser miteinander zu verknüpfen. Natürlich ist es bei einer Reportage häufig schwierig, die Farben eines Ortes zu kontrollieren. Trotzdem gibt es zahlreiche Fotograf*innen, die in ihren Arbeiten auf beeindruckende Weise mit Farben umgehen.

So ist etwa der Student Emile Ducke ein Meister darin, Farben gekonnt einzusetzen: Bei seiner vielfach ausgezeichneten Reportage «Diagnosis» setzte er vorwiegend auf sanfte Blau und Pastell-Töne. Andy Happel wiederum arbeitete in seiner Porträtserie über das Leben junger Menschen in China sehr intensive Farbtöne ein. Seine Bilder erinnern dadurch an die Beleuchtungen berühmter Neo-Noir-Filme.

Die Serie «No Man's Land» von Daniel Chatard beschäftigt sich mit dem Kohleabbau in Nordrhein-Westfalen
Fotos aus der Serie «Diagnosis» von Emile Ducke

3. Bildauswahl und Bildbearbeitung für eine Fotoserie

Wenn du nach dem Fotografieren wieder zu Hause bist, kommt als Nächstes die Bildauswahl und die Bildbearbeitung. Professor Lars Bauernschmitt, der von 1993 bis 2008 Geschäftsführer der Fotoagentur VISUM in Hamburg war, rät zur Bildbearbeitung: «Weniger ist mehr. Vermeide Effekte. Arbeite am Anfang mit den automatischen Bearbeitungsmöglichkeiten. Vertraue deinem Bild.» Wenn du im RAW-Format aufnimmst, solltest du aber auf jeden Fall den Weißabgleich anpassen. Dadurch sehen die Bilder einheitlicher aus.

Lars Bauernschmitt empfiehlt, danach die zehn bis zwanzig besten Fotos herauszusuchen und auszudrucken: «Du kannst die Bilder entsprechend der zeitlichen Reihenfolge anordnen, in der sich etwas ereignet hat Das ist für Lars Bauernschmitt der einfachste Weg, Ordnung in deine Bilder zu bringen. So folgt etwa die berührende Arbeit von Patrick Junker Gerd Kuck, der an einer unheilbaren Herzmuskel-Entzündung litt. Er musste mehr als zehn Jahre auf ein Spenderherz warten. In seiner finalen Bildauswahl thematisiert Patrick die Zeit vor der Operation, die Operation selbst und auch die Zeit danach.

Finale Auswahl der Arbeit «3804 Tage» von Patrick Junker

Du solltest dich fragen: Transportieren meine Fotos auch wirklich Informationen für Menschen, die nicht dabei waren?

Prof. Lars Bauernschmitt

Aber Lars Bauernschmitt gibt auch zu bedenken: «Du selbst weißt, was du fotografiert hast. Wenn du deine Bilder betrachtest, kommen alle Erinnerungen an das Fotografieren hoch. Du erinnerst dich beim Betrachten deiner Bilder auch an Geräusche oder Gerüche. Du musst dich aber fragen: Transportieren meine Fotos auch wirklich Informationen für Menschen, die nicht dabei waren?» Er gibt deshalb den Tipp, mit deinen Freund*innen über deine Bilder zu sprechen: «Gib Ihnen zunächst möglichst gar keine Erklärungen zu den Bildern, sondern lass sie ihre Eindrücke formulieren. Erkennen sie, was du zeigen wolltest? Oder sehen sie wichtige Details nicht – weil sie im Bild vielleicht nicht gut erkennbar sind?» Er rät, in dem Fall die jeweilige Situation noch einmal anders zu fotografieren – vielleicht aus anderer Perspektive und Distanz.

Abschließend gibt Lars Bauernschmitt den Tipp, deine Geschichte in möglichst wenigen Bildern zu erzählen. Liefert ein Bild wirklich einen neuen Aspekt oder ist es nur eine Wiederholung von etwas, das du schon gezeigt hast? «Du kannst das auch überprüfen, indem du die Bilder in Worten beschreibst – sprich mit dir selbst,» empfiehlt Lars Bauernschmitt. 

Wenn du alles fertiggestellt hast, teile es online! Durch das Posten auf Social-Media-Plattformen können andere leicht auf deine Arbeit zugreifen und sich mit ihr auseinandersetzen. Es gibt zahlreiche solcher sozialen Netzwerke wie Fotocommunity, Flickr oder Instagram, die sich explizit mit Fotografie beschäftigen. Du kannst deine Bilder je nach Wunsch einzeln posten oder eine Galerie anlegen. Verwende Hashtags, die sich auf die jeweiligen Themen beziehen, um online besser wahrgenommen zu werden. Damit erhöhst du auch die Chancen auf eine mögliche Zusammenarbeit mit anderen Kreativen aus ähnlichen Genres. Finde Freunde auf diese Weise und tausche dich mit ihnen aus! (Aber sei im Internet natürlich immer vorsichtig.) Auch für professionelle Fotograf*innen ist dieser Austausch wichtig: Sie haben häufig eine Fotocommunity im echten Leben. Das hilft ihnen, wenn sie mal eine Frage zur Technik oder zur Vorbereitung auf eine Reise haben. Das kann auch eine vielversprechende Möglichkeit sein, neue Projekt-Ideen zu finden.

Die Fotoserie «Hiding from Baba Yaga» von Nanna Heitmann

4. Fazit: Die Umsetzung von der Idee bis zum fertigen Fotoprojekt

Abschließend kann man sagen: Wenn du auf der Suche nach einer Fotoidee bist, ist es immer klug, dich von anderen Medien, Kunst und Literatur inspirieren zu lassen. Am besten suchst du nach einer Idee für ein größeres Projekt, möglichst eines mit einer gesellschaftlichen Relevanz. Mach es dabei nicht zu kompliziert, die besten Geschichten findest du manchmal direkt vor deinem Zuhause! Vielleicht gibt es jemanden in deinem Freundeskreis mit einem interessanten Hobby oder Beruf? Das eignet sich häufig für eine gute Geschichte. So kannst du leicht kreative Fotoideen finden. Danach kommt das Fotografieren selbst. Achte auf Licht und Schatten, Farbe und Bildgestaltung. Aber wichtig ist, dass du es dabei auch nicht übertreibst: Es ist zwar wichtig, dass du in deinen Fotos die Geschehnisse gut in Szene setzt. Gleichzeitig solltest du in deinen Bildern immer den realen Gegebenheiten treu bleiben und Dinge nicht übermäßig dramatisieren.

Zum Schluss musst du deine Fotos auswählen und bearbeiten. Dieser Prozess ist genauso wichtig wie das Bildermachen selbst. Denn selbst eine starke Fotografie wirkt in einer langweiligen Reihenfolge schwach. Dasselbe gilt für die Bildbearbeitung: Versuche, es nicht zu übertreiben. Die beste Bildbearbeitung ist häufig die, die man nicht als solche erkennt. Wenn du all diese Schritte befolgst, können aus deinen Fotoideen schnell ganze Fotoserien werden. Außerdem wirst du dadurch eine ganz neue Entwicklung in deiner Fotografie beobachten können. Wir wünschen dir dabei viel Spaß!

Diesen Beitrag haben wir mit der Unterstützung von SE Ranking, sowie Tools von Jasper AI und OpenAI erstellt.


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