Die Finalist*innen des VGH Fotopreises

Ausstellung zum VGH-Fotopreis bis 12. Januar in der GAF.

Fotografie aus der Arbeit «Rechtes Land» von Julius Schien.

Alexandra Rousi wird von ihrem Nachbarn in Paderborn getötet. Sie stirbt bei einem Brand, der aus rassistischen Motiven gelegt wurde. Dem Brandanschlag gehen monatelange rassistische Drohungen und Beleidigungen voraus. Der Täter wohnt im Erdgeschoss des Zweifamilienhauses und übergießt das gemeinsame Treppenhaus mit Benzin. Als Alexandra ihn aufzuhalten versucht, zündet er, während er weiterhin ausländerfeindliche Beleidigungen von sich gibt, ein Streichholz an. Sowohl Alexandra Rousi als auch der Täter gehen in Flammen auf – Rousi stirbt noch im Treppenhaus. Auch 30 Jahre nach der Tat wird der Fall offiziell nicht als rechte Gewalttat anerkannt.

Fotografie aus der Arbeit «Rechtes Land» von Julius Schien.

Karl Sidon, Parkwächter im Schlosspark Arnstadt, wird am 18. Januar 1993 von fünf jungen Neonazis brutal verprügelt und getötet. Die Gruppe im Alter von 11 bis 16 Jahren beschädigte zuvor im Schlosspark ein Gebäude. Als Karl Sidon das bemerkt, geht er ihnen nach und ermahnt sie. Daraufhin gehen die Jugendlichen auf Sidon los und schlagen auf ihn ein, bis er bewusstlos am Boden liegen bleibt. Im Anschluss schleifen sie ihn auf eine angrenzende, viel befahrene Straße, wo er schließlich von mehreren Autos überfahren wird. Noch am selben Abend erliegt Karl Sidon seinen Verletzungen.

Fotografie aus der Arbeit «Rechtes Land» von Julius Schien.

Am 17. April 2018 wird das Treppenhaus eines Wohnhauses in Wiebelskirchen im Saarland aus rassistischen Motiven in Brand gesteckt. Das Gebäude, in dem mehrere syrische Geflüchtete mit ihren Kindern leben, steht schnell in Flammen. Die Feuerwehr rettet elf Menschen, einige mit schweren Rauchvergiftungen. Philipp W. wohnt im Dachgeschoss und verbrennt in seiner Wohnung. Die beiden Täter gestehen vor Gericht, die Tat aus Hass auf Ausländer begangen zu haben.

Es ist wieder so weit: Am 3. Dezember 2025 wird um 19:00 Uhr in der Galerie für Fotografie die Ausstellung mit den diesjährigen Finalist*innen des VGH Fotopreises eröffnet. Zentrum der Ausstellung ist die Arbeit «Rechtes Land» des Preisträgers Julius Schien.

Seit der deutschen Wiedervereinigung starben in Deutschland über 200 Menschen durch rechte Gewalt. Konfrontiert mit der anhaltenden Präsenz von Rechtsextremismus in Deutschland, hat Julius Schien begonnen, alle Tatorte rechter Gewalt zu dokumentieren. Er legt mit «Rechtes Land» einen bisher einzigartigen visuellen Katalog dieser Tatorte vor. Seine fotografische Arbeit rückt die Orte, an denen die Taten stattgefunden haben, wie leere Bühnen in den Vordergrund. Jurymitglied Barbara Stauss, von Studio Stauss und Reporter ohne Grenzen resümiert den Jury-Prozess: «Die Idee, einen visuellen Katalog aller Tatorte rechtsextremer Verbrechen der Nachwendezeit in Deutschland zu erstellen, haben uns ebenso wie Julius Schiens visuelle Umsetzung absolut überzeugt.»

Erstmalig in diesem Jahr wurde parallel zum VGH Fotopreis der mit 2.000 Euro dotierte VGH Förderpreis vergeben. Mit ihm wird die Fortsetzung eines fotografischen Projektes finanziell und durch ein begleitendes Mentoring unterstützt. Preisträger des VGH Förderpreises 2025 ist Serghei Duve, der mit seiner begonnenen Arbeit «Industriestadt» über die Stadt Wolfsburg überzeugte.

Foto: Sergehi Duve
Foto: Sergehi Duve


Die hohe Qualität und die Vielfalt der studentischen Projekte überzeugten die diesjährige Jury. Neben den Preisträgern des VGH Fotopreises und des VGH Förderpreises erhielten als Finalistinnen des Juryprozesses Armina Ahmadinia, Noemi Ehrat, Markus Heft und Jasper Hill eine lobende Erwähnung.

Der VGH Fotopreis wird seit 2008 ausschließlich unter den Studierenden des Studiengangs «Visual Journalism and Documentary Photography» der Hochschule Hannover vergeben. Er ist mit 10.000 Euro eine der am höchsten dotierten Auszeichnungen für Fotografie im deutschsprachigen Raum und wird von der Versicherungsgesellschaft Hannover (VGH) gestiftet. Die VGH schreibt über den Preis auf der Website, die Hochschule Hannover sei im Bereich der Fotografie eine Talentschmiede von europäischem Renommee, wo die zukünftigen die Berufsfotograf*innen von morgen ausgebildet würden. Mit dem Fotopreis wolle die VGH einen Beitrag zur Steigerung der Attraktivität der Studienlandschaft in Niedersachsen leisten.

Ausgestellte Arbeiten:

Julius Schien «Rechtes Land»

Serghei Duve «Industriestadt»

Armina Ahmadinia «Mein Haus ist wolkig»

Noemi Ehrat «The Abortion Plot»

Markus Heft «Für uns geträumt»

Jasper Hill «Im Land der weißen Berge»

Termine:

Preisverleihung und Ausstellungseröffnung
3. Dezember 2025, 19 Uhr

Ausstellung
4. Dezember 2025 bis 11. Januar 2026

Ort
GAF – Galerie für Fotografie Eisfabrik,
Seilerstraße 15d Hannover 30171

Die Galerie ist donnerstags bis sonntags geöffnet, von 12 bis 18 Uhr.
Am Heiligabend, dem 1. und 2. Weihnachtstag hat die GAF nicht geöffnet. Auch nicht an Silvester und am 1. Neujahrstag.

Weitere Informationen zum VGH Fotopreis finden sich hier.



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