Ein Zuhause für die letzten Tage

Im Hospiz Luise in Hannover-Kirchrode erleben Pflegekräfte täglich, wie das Leben endet und doch die Erinnerung an besondere Momente bleibt.
Von Tim Kirchhof 

Die Patientin war erst 28 Jahre alt, als sie zum Sterben kam. «Sie trug ein weißes Kleid, hatte schwarze Haare und schöne Haut», erinnert sich ihre Pflegerin, «nächstes Jahr wollte sie heiraten.» Ihr Verlobter schlief bei ihr. Sie starb zu Silvester. An die junge Frau erinnert sich die Mitarbeiterin auch Jahre danach noch. Das Sterben an sich gehört im Hospiz Luise in Hannover-Kirchrode zum Alltag. Die Aussicht auf den eigenen Tod oder den eines geliebten Menschen löst bei Betroffenen nicht selten Gefühle der Machtlosigkeit und des Kontrollverlustes aus. In Hospizen wie dem Luise finden schwerstkranke und sterbende Menschen einen Ort, um ihre letzten Tage in Würde zu verbringen.

Die Hospizbewegung in Deutschland entwickelte sich Anfang der 1980er-Jahre als Teil einer Bürgerbewegung, in der Freiwillige von Anfang an eine wesentliche Rolle spielten. Das katholisch geprägte Hospiz Luise wurde 1994 eröffnet. Ein Team aus Krankenpfleger*innen, Ärzt*innen, freiwilligen Helfer*innen und einem Seelsorger hilft Patient*innen und ihrem sozialen Umfeld dabei, Leiden zu mindern und Geborgenheit zu schenken. Trotz strenger Aufnahmekriterien gibt es deutlich mehr Bewerber*innen als Plätze.

Atmosphärisch unterscheidet sich Hospize meist stark von Krankenhäusern oder Pflegeheimen. «Wir wollen der Unsicherheit im Sterben begegnen und einen Ort größtmöglicher Sicherheit schaffen», steht im Leitbild des Hauses Luise. Die Ruhe und Geborgenheit betont auch eine ehrenamtliche Helferin: «Wenn die Menschen am nächsten Tag versterben und am Abend davor essen sie noch Bratkartoffeln mit Spiegelei, mit richtig viel Appetit… Das finde ich schön.»

Die Wanne mit Whirlpool-Funktion ist bei Patient*innen sehr beliebt.

In der Kapelle: Jede Kerze steht für eine*n kürzlich Verstorbene*n.

Speisen und in Erinnerungen schwelgen: Gedeckter Tisch im Gemeinschaftsraum

Die Mitarbeitenden begleiten nicht nur Patient*innen in ihren letzten Stunden. Sie versuchen, auch für Zugehörige eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Damit sind Angehörige, Freunde und das soziale Umfeld der Patient*innen gemeint.


Wenn die Menschen am nächsten Tag versterben und am Abend davor essen sie noch Bratkartoffeln mit Spiegelei, mit richtig viel Appetit… Das finde ich schön.

Ein leeres Bett, nachdem eine Verstorbene abgeholt wurde. Das Fenster wurde nach christlicher Tradition verschlossen, nachdem der Leichnam hinausgebracht wurde.

Blick in das Pfleger*innen-Zimmer: Der Arbeitsalltag geht weiter.

Was bleibt: Erinnerungen und Dankbarkeit von Hinterbliebenen